Streitkultur-Blog
Hier bloggen wir rund um das Thema konstruktiver Streit und Debattenkultur.
Vom Wort zur Tat?
Die Sprache, unser wichtigstes Mittel der Verständigung, wird zunehmend von Aggressivität geprägt - im Internet, in der Rhetorik rechter Politiker, in Bürgerprotesten auf der Straße, sogar im Bundestag. Seit dem Mord an dem Politiker Walter Lübcke im Juni 2019 ist die Frage nach dem Zusammenhang von Sprache und Gewalt stärker in den Fokus gerückt; eine Frage, die auch die Wissenschaft schon länger beschäftigt. Nach massiven Morddrohungen wurde Walter Lübcke vor seinem Haus erschossen. Erst die Worte, dann die Tat? Fördert die Verrohung der Sprache die Bereitschaft zu realer Gewalt?
Demonstrativer Bullshit in der politischen Kommunikation
In der Politik findet sich zunehmend ein sprachliches Mittel, das wir demonstrativen Bullshit nennen. Populisten und Demagogen setzen ihn ein, um die Normen des politischen Diskurses in ihrem Sinn zu verschieben, wie unsere Analyse aufzeigt.
Wie der Aufstieg des Populismus die Gesellschaft herausfordert
Für einen Artikel von Ruth Herberg über die gesellschaftlichen Herausforderungen angesichts des Aufstiegs des Populismus bin ich zu Streitkultur mit Andersdenkenden interviewt worden. Der ganze Artikel findet sich auf der Webseite der Frankfurter Rundschau.
Eine bessere Streitkultur für Politik und Gesellschaft?
Ohne Streit ist unsere Demokratie nicht überlebensfähig. Wir brauchen die Auseinandersetzung für eine öffentliche Meinungsbildung und konstruktive Lösungen. Stattdessen herrscht häufig ein Kampf um Aufmerksamkeit, Selbstbestätigung und die Skandalisierung des Gegners.
Wir werden mit Prof. Dr. Andrea Römmele (Hertie School of Governance) und Prof. Dr. Annette Leßmöllmann (Karlsruher Institut für Technologie) die Fragen diskutieren, warum es wichtig und wie es wieder möglich ist, miteinander zu streiten – ohne sich zu spalten.
Die Wahrheit über die Wahrheit
Die Wahrheit hat dieser Tage nicht den besten Stand. Seit der Brexit-Bus durch Großbritannien rollte und Donald Trump als 45. Präsident der USA kandidierte, beherrschen Lügen, Bullshit, Fake News und andere Abgründigkeiten das politische Zeitgeschehen. Derart unverhohlen wird die Wahrheit gebogen, dass in den Feuilletons längst vom postfaktischen Zeitalter die Rede ist.
Kaum ist das neue Zeitalter ausgerufen, sind auch schon die Schuldigen ausgemacht. An dem ganzen Malheur seien nämlich die Postmodernisten schuld. Schließlich sei es ein allgemeines Credo des Postmodernismus, dass es so etwas wie „die“ Wahrheit gar nicht gebe. Vielmehr hänge Wahrheit stets von Machtbeziehungen ab, von Sprache, von Weltbildern. Durch dieses Denken sei die Wahrheit über Jahrzehnte hinweg derart in Verruf gekommen, dass nun der Nährboden für eine Politik der Wahrheitsbiegung besser nicht sein könnte. Wer selbst nicht an eine objektive Wahrheit glaubt, hat in der Auseinandersetzung mit den Biegern der Wahrheit wenig Munition.
Das mag alles sein, macht aber einen Nebenschauplatz auf. Die Gretchenfrage unserer Zeit ist nicht, wer an was Schuld ist, was Postmodernisten über Wahrheit denken oder wie sie in der Auseinandersetzung mit Populisten abschneiden. Die Gretchenfrage unserer Zeit ist: Was sollten wir über Wahrheit denken? Und was haben wir den Biegern der Wahrheit eigentlich entgegenzusetzen?
Mein Vaterland! Die Kontinuität zwischen Neonazi-Szene und AfD
Christian E. Weißgerbers Buch ist authentisch. Es ist zugleich eine Autobiographie und eine gesellschaftliche Analyse. Wenn diese Kombination auch nicht immer zu einem leichten Leseerlebnis beiträgt, so hat sie doch eine einnehmende Eigenwilligkeit.
Und gerade das macht das Buch auch so schonungslos glaubwürdig. Es legt offen, wie nahtlos die Neo-Naziszene mit der AfD und breiteren (und scheinbar moderateren) Schichten der Gesellschaft verwoben ist.
Aufschlussreich und zugleich erschreckend ist, wie anschlussfähig in Ideologie und Struktur die AfD an die Neo-Naziszene ist.
All das zeigt Weißgerber immer aus seiner Perspektive und seinen persönlichen Erfahrungen, die natürlich ganz individuell sind - und dabei doch etwas Allgemeineres offenzulegen scheinen.
Eine spannende und aufschlussreiche Lekutüre, die sich lohnt! Das buch ist auf amazon.de und bücher.de sowie im Buchladen um die Ecke erhältlich.
Radikal höflich gegen Rechtspopulismus
Das wunderbare Büchlein „Sag was!“ von Diskursiv gibt einen niedrigschwelligen Einstieg in ein brandaktuelles und aufgeladenes Thema, das nach wie vor bei vielen Beteiligten Unsicherheit und Ohnmacht hervorruft. Der Autor Philipp Steffan hat einen beeindruckenden Spagat erzielt - zwischen angenehmer Knappheit, verständlicher Klarheit und profundem Gehalt.
Wann ist Provokation sinnvoll und legitim?
Provokation ist ein gut eingeübtes Stilmittel von Trump. Er verwendet sie als Ausdruck der Stärke: "Seht her, ich kann das! Ich erhebe mich über die geltenden Normen." Aber auch als Aufmerksamkeitsmagnet: Er hatte damit bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2016 das Aufmerksamkeitsrennen in der öffentlichen Debatte gewonnen.
Die Wahrheit schafft sich ab: Wie Fake News Politik machen
Unser neues Buch über Fake News ist erschienen und kann auf Amazon.de, Reclam.de und Bücher.de bestellt werden; oder direkt beim Buchhändler um die Ecke!
Warum gibt es Fake News? Und warum verbreiten sie sich so erfolgreich? Weil der Mensch nicht so rational ist, wie er gerne denkt. Denn Fake News gibt es schon, solange es Nachrichten gibt. Neu ist das Ausmaß von Fake News. Und das hat mit der Funktionslogik sozialer Netzwerke zu tun. Inhalte werden geteilt, weil man zu einer Gruppe gehören möchte, oder weil sie zu dem passen, was man ohnehin schon glaubt.
Wir bieten in unserem Buch eine umfassende Analyse der Erfolgsgeschichte von Fake News sowie Lösungsmöglichkeiten, wie die Gesellschaft ihrem Einfluss wieder entkommen kann.
Mit Rechtspopulisten reden
In der Bildungsarbeit trifft man immer häufiger auf rechtspopulistische Positionen. Ein Vorschlag, wann und wie man darauf eingehen könnte.
Rechtspopulismus ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland verschiebt sich der öffentliche Diskurs immer stärker. Bedrohungsszenarien machen viele Menschen empfänglich für eine Politik, die auf globale Aufgaben mit Abschottung und Nationalismus reagiert.Gerade in der politischen Bildungsarbeit stellt die Konfrontation mit Menschen, die rechtspopulistische Standpunkte vertreten, daher eine immer größere Herausforderung dar. Ob im Seminar, am Infostand, in Kommentarspalten oder auf Panels – wie kann man rechtspopulistischen Standpunkten begegnen?
Was ist gute Streitkultur?
Die Fragen, warum Streiten wichtig ist, warum Gesellschaftskritik Streit erfordert und was gute Streitkultur ausmacht, beantwortet David Lanius in einem Interview über digitalen und analogen politischen Streit aus dem Buch "Kritik üben" von Friedrich von Borries und Jakob Schrenk. Die Fragen stellt Jakob Schrenk.
Was sind Fake News?
An Fake News kommt man in jüngerer Zeit im öffentlichen Diskurs schwer vorbei. Diskussionsrunden in ganz Europa erörtern die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann; Forschungsprojekte versuchen, die Effekte von Fake News auf Politik und Gesellschaft zu bestimmen; Unternehmen wie Facebook sehen sich unter Druck, gegen Fake News vorzugehen.Aber was sind überhaupt Fake News? Unsere These ist, dass es sich bei Fake News um Berichterstattungen handelt, die in zweierlei Hinsicht problematisch sind. Erstens sind sie entweder falsch oder irreführend. Und zweitens verfolgen ihre Verfasser entweder eine Täuschungsabsicht oder sie sind der Wahrheit gegenüber vollkommen gleichgültig. Fake News weisen also zwei entscheidende Mängel auf: sie zeichnen ein falsches Bild von der Wirklichkeit und werden von Menschen in die Welt gesetzt oder verbreitet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.
Towards Foolproof Democracy: Advancing Public Debate and Political Decision-Making (CfP/English)
The events of the year 2016 have led many critical observers to doubt the stability and longevity of democracy. Ideally, democracy effectuates the rule of reason. Debates in elected assemblies and in society as a whole should serve the process of finding best reasons for political decisions. However, the mechanisms that currently produce such decisions are vulnerable to misuse. Arguably, they need to be redesigned in an attempt to make them “foolproof” - i.e., to design them in a way to make misuse inherently impossible or to minimize its negative consequences.Empirical evidence suggests that political agents may generally lack the required competence for deliberation and debate. Even very intelligent people systematically tend to focus on information that confirms what they already believe and dismiss information that contradicts it. Instead of seeking rational debate, people often cling to forms of modern tribalism. In addition, modern communication networks are swiftly replacing traditional print and broadcast news media. This shift presents deliberative democracy with opportunities but also risks, as these communication networks neither encourage a balanced exchange of information nor systematically check its quality.
Wie argumentieren Rechtspopulisten?
Rechtspopulisten beanspruchen, die eigentlichen Probleme der Gesellschaft zu benennen und eine Lösung für sie zu bieten. Die AfD behauptet beispielsweise in dem Ende 2016 entstandenen Strategiepapier für die Bundestagswahl 2017, dass Wähler sie für „grundsätzlich wählbar“ halten, „weil sie Themen anspricht und Dinge beim Namen nennt, die den Altparteien nicht wichtig genug oder unlieb sind oder auf die die Altparteien keine Antwort haben“. Daher lebe sie gut, so heißt es in dem Strategiepapier, als „Tabubrecherin und Protestpartei“.
(Wie) sollte man auf radikale Online-Kommentare reagieren?
Hasskommentare in sozialen Medien und Online-Foren sind trauriger Alltag. Oft stehen wir ohnmächtig vor dem blanken Hass, der sich in diesen Kommentaren offenbart. Bis vor Kurzem blieben viele Menschen diesen Foren fern, weil sich darin Hardliner Argumente an den Kopf werfen oder einfach nur noch gegenseitig beleidigen. Es hieß schlicht: "Don't feed the troll." Doch warum ist oft keine konstruktive Diskussion möglich? Und (wie) könnte man es besser machen? Filterblasen, aber auch Anonymität, Aufmerksamkeitsknappheit und Distanz in den Sozialen Medien, sind sicherlich Teil der Antwort. Radikale Positionen können vertreten werden, ohne dass dies zu (sozialen) Sanktionen führt. Doch Diskussionen in Sozialen Medien weisen zudem auch eine sprachliche Struktur auf, die es inherent schwierig macht, sie konstruktiv zu führen.
Sieben Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit Populisten
Der Siegeszug des Populismus hat mit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus einen neuen Höhepunkt erreicht. Populisten in ganz Europa reiten auf der Welle aus Wut, Empörung und Angst, die sich in Parolen wie "Die Flüchtlinge überfremden uns; außerdem sind sie sowieso alle entweder kriminell oder Terroristen" oder "Die heutigen Politiker sind faul und korrupt; wir brauchen endlich wieder einen starken Mann" äußern.
Die sieben Regeln des erfolgreichen Populisten
Die Wochenzeitung DIE ZEIT hat bereits im Jahr 2000 sieben Regeln veröffentlicht, wie man als Demagoge (damals noch am Beispiel Jörg Haiders) erfolgreich ist. Heute werden sie von vielen Populisten fast wortgetreu umgesetzt. Sie lauten in aktualisierter und gekürzter Form:
Die AfD und der Kirchentag
Zwei Überraschungen habe ich vom diesjährigen Kirchentag mitgenommen. Positiv überrascht hat mich, dass sachliche Argumente doch weiter tragen, als ich zu hoffen wagte. Negativ überrascht hat mich, dass überhaupt so viele Argumente von Nöten waren.Denn der Kirchentag war voll von Menschen, die offen mit der AfD sympathisieren oder aus Überzeugung gar nicht erst wählen gehen. Ich war dort mit einem Stand von Kleiner Fünf - einer Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, rechtspopulistische Parteien mit demokratischen Mitteln und radikaler Höflichkeit unter die Fünf-Prozent-Hürde zu drücken. Es kam zu hitzigen Diskussionen und spannenden Kontroversen - glücklicherweise ohne Wut, Pöbeleien oder Hass.
Die Kunst der Ignoratio Elenchi
Wir sehnen uns nach Antworten in dieser komplizierten Welt. Populisten bieten einfache Lösungen. Damit punkten sie. Doch Lösungen für was?
Das ist oft gar nicht so klar. Geht es wirklich um die Gefährlichkeit des islamistischen Terrors? Geht es tatsächlich um die Globalisierung, die uns unsere Jobs und unseren Lebensstandard streitig macht?Populisten wie Donald Trump oder Frauke Petry machen sich unsere Anfälligkeit für einen klassichen Fehlschluss zunutze. In einer Ignoratio Elenchi wird ein Satz begründet, der gar nicht zur Debatte steht, auch wenn er in der Regel thematisch verwandt damit ist.