Streitkultur-Blog
Hier bloggen wir rund um das Thema konstruktiver Streit und Debattenkultur.
Demokratische Streitkultur für eine digitale Öffentlichkeit
Für eine funktionierende Demokratie braucht es die verbale Auseinandersetzung zwischen Andersdenkenden. Aber warum eigentlich? Was macht einen guten Streit aus? Und was verhindert, dass wir konstruktiv streiten? Gerade in der digitalen Öffentlichkeit der sozialen Medien scheint es schwieriger denn je demokratische Streitkultur zu praktizieren. In diesem Talk identifiziert David Lanius einige Ziele, Formen und Gütekriterien konstruktiven Streits und stellt mögliche Hürden demokratischer Streitkultur und ihre Überwindung zur Diskussion.
Konstruktiv streiten in der digitalen Öffentlichkeit
Weltweit, so wird in letzter Zeit immer wieder diagnostiziert, steckt die Demokratie in einer Krise – und ohne Zweifel gibt es derzeit viele Herausforderungen, die demokratische Gesellschaften auf der ganzen Welt unter Druck setzen (Dryzek et al. 2019). Dabei wird oft eine fehlende oder mangelhafte Debatten- und Streitkultur als grundlegendes Problem gesehen; einerseits scheint die Teilnahme an der öffentlichen Debatte unzureichend inklusiv und andererseits ihre deliberative Qualität ausgesprochen dürftig zu sein. Es ist eine nahezu unkontroverse Annahme, dass eine – hinreichend partizipative und deliberative – öffentliche Debatte notwendig für eine funktionierende Demokratie ist (Fishkin 2009; Gutmann und Thompson 2004; Cohen 1997). In den letzten Jahren hat sich angesichts des Anstiegs von Populismus, Desinformation und Hassrede in der zunehmend digitalen Öffentlichkeit die Einsicht durchgesetzt, dass öffentlicher Streit in einer Demokratie kein Selbstläufer ist und konstruktiver verlaufen muss, will man ihr aus der Krise helfen.
Die Wahrheit schafft sich ab: Wie Fake News Politik machen
Unser neues Buch über Fake News ist erschienen und kann auf Amazon.de, Reclam.de und Bücher.de bestellt werden; oder direkt beim Buchhändler um die Ecke!
Warum gibt es Fake News? Und warum verbreiten sie sich so erfolgreich? Weil der Mensch nicht so rational ist, wie er gerne denkt. Denn Fake News gibt es schon, solange es Nachrichten gibt. Neu ist das Ausmaß von Fake News. Und das hat mit der Funktionslogik sozialer Netzwerke zu tun. Inhalte werden geteilt, weil man zu einer Gruppe gehören möchte, oder weil sie zu dem passen, was man ohnehin schon glaubt.
Wir bieten in unserem Buch eine umfassende Analyse der Erfolgsgeschichte von Fake News sowie Lösungsmöglichkeiten, wie die Gesellschaft ihrem Einfluss wieder entkommen kann.
Wie wir mit Andersdenkenden diskutieren können
In politischen Debatten geht es oft um Sieg oder Niederlage. Dabei könnten wir durch Diskussionen mit Andersdenkenden vor allem eines werden: schlauer.
Wenn wir von politischen Diskussionen reden, klingt das oft nach Kampf. Wir reden vom TV-"Duell", ein Politiker muss eine "Niederlage" einstecken oder er trägt einen "Sieg" davon. Auch Medien inszenieren politische Diskussionen oft so, als würden sich unversöhnliche Ideologien auf einem Schlachtfeld bekämpfen. Doch ist das ein gutes Bild? Warum diskutieren wir überhaupt mit Andersdenkenden? Und warum sollten wir mit ihnen diskutieren?
Was ist gute Streitkultur?
Die Fragen, warum Streiten wichtig ist, warum Gesellschaftskritik Streit erfordert und was gute Streitkultur ausmacht, beantwortet David Lanius in einem Interview über digitalen und analogen politischen Streit aus dem Buch "Kritik üben" von Friedrich von Borries und Jakob Schrenk. Die Fragen stellt Jakob Schrenk.
Was sind Fake News?
An Fake News kommt man in jüngerer Zeit im öffentlichen Diskurs schwer vorbei. Diskussionsrunden in ganz Europa erörtern die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann; Forschungsprojekte versuchen, die Effekte von Fake News auf Politik und Gesellschaft zu bestimmen; Unternehmen wie Facebook sehen sich unter Druck, gegen Fake News vorzugehen.Aber was sind überhaupt Fake News? Unsere These ist, dass es sich bei Fake News um Berichterstattungen handelt, die in zweierlei Hinsicht problematisch sind. Erstens sind sie entweder falsch oder irreführend. Und zweitens verfolgen ihre Verfasser entweder eine Täuschungsabsicht oder sie sind der Wahrheit gegenüber vollkommen gleichgültig. Fake News weisen also zwei entscheidende Mängel auf: sie zeichnen ein falsches Bild von der Wirklichkeit und werden von Menschen in die Welt gesetzt oder verbreitet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.
Zehn Regeln für eine gute Debatte
Viele halten es für Schicksal, ob eine Debatte eskaliert. Dabei kennt die Forschung Verhaltensweisen, die jedes Gespräch besser machen. Hier sind zehn Regeln für eine gute Debatte.
Towards Foolproof Democracy: Advancing Public Debate and Political Decision-Making (CfP/English)
The events of the year 2016 have led many critical observers to doubt the stability and longevity of democracy. Ideally, democracy effectuates the rule of reason. Debates in elected assemblies and in society as a whole should serve the process of finding best reasons for political decisions. However, the mechanisms that currently produce such decisions are vulnerable to misuse. Arguably, they need to be redesigned in an attempt to make them “foolproof” - i.e., to design them in a way to make misuse inherently impossible or to minimize its negative consequences.Empirical evidence suggests that political agents may generally lack the required competence for deliberation and debate. Even very intelligent people systematically tend to focus on information that confirms what they already believe and dismiss information that contradicts it. Instead of seeking rational debate, people often cling to forms of modern tribalism. In addition, modern communication networks are swiftly replacing traditional print and broadcast news media. This shift presents deliberative democracy with opportunities but also risks, as these communication networks neither encourage a balanced exchange of information nor systematically check its quality.
Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands
Was macht eigentlich gute Streitkultur aus? Zum einen ist da die emotionale und soziale Intelligenz: Wie gehe ich auf meinen Gesprächspartner als Menschen ein? Beachte ich das Prinzip der wohlwollenden Interpretation? Betrachte ich mein Gegenüber als Gesprächspartner oder als meinen Kontrahenten?Zum anderen sind da aber natürlich auch inhaltliche und logische Anforderungen; wir wollen gut argumentieren und die Argumente unserer Gesprächspartner angemessen beurteilen. Sind die Argumente meines Gesprächspartners stichhaltig? Sind seine Thesen verständlich, relevant und nachvollziehbar? Wie reagiere ich darauf am besten?
Sind Filterblasen gefährlich?
Alle Jahre wieder treffen wir auf Menschen aus unserem Freundes-, Verwandten- oder Bekanntenkreis, die uns mit unerwarteten Ansichten überraschen. So habe ich auch neulich eine alte Schulkameradin wiedergetroffen. Wir hatten seit dem Abitur kaum Kontakt. Als wir uns nun bei einem Kaffee gegenüber saßen, sprudelte es aus ihr heraus: "Ach, es ist alles so düster derzeit. Die Amerikaner haben Europa voll im Griff, wogegen die nächste GroKo ja auch wieder nichts machen wird. Die sind ja eh alle gekauft. Merkel lädt weiter schön Flüchtlinge zu uns ein und die anderen Staaten nehmen keine auf. Warum müssen die denn alle zu uns kommen?"