Streitkultur-Blog

Hier bloggen wir rund um das Thema konstruktiver Streit und Debattenkultur.

Die Wahrheit schafft sich ab: Wie Fake News Politik machen

Unser neues Buch über Fake News ist erschienen und kann auf Amazon.deReclam.de und Bücher.de bestellt werden; oder direkt beim Buchhändler um die Ecke!

Warum gibt es Fake News? Und warum verbreiten sie sich so erfolgreich? Weil der Mensch nicht so rational ist, wie er gerne denkt. Denn Fake News gibt es schon, solange es Nachrichten gibt. Neu ist das Ausmaß von Fake News. Und das hat mit der Funktionslogik sozialer Netzwerke zu tun. Inhalte werden geteilt, weil man zu einer Gruppe gehören möchte, oder weil sie zu dem passen, was man ohnehin schon glaubt.

Wir bieten in unserem Buch eine umfassende Analyse der Erfolgsgeschichte von Fake News sowie Lösungsmöglichkeiten, wie die Gesellschaft ihrem Einfluss wieder entkommen kann.

Unser neues Buch über Fake News ist erschienen und kann auf Amazon.de, Reclam.de und Bücher.de bestellt werden; oder direkt beim Buchhändler um die Ecke!

Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen

Warum gibt es Fake News? Und warum verbreiten sie sich so erfolgreich? Weil der Mensch nicht so rational ist, wie er gerne denkt. Denn Fake News gibt es schon, solange es Nachrichten gibt. Neu ist das Ausmaß von Fake News. Und das hat mit der Funktionslogik sozialer Netzwerke zu tun. Inhalte werden geteilt, weil man zu einer Gruppe gehören möchte, oder weil sie zu dem passen, was man ohnehin schon glaubt.

Wir bieten in unserem Buch eine umfassende Analyse der Erfolgsgeschichte von Fake News sowie Lösungsmöglichkeiten, wie die Gesellschaft ihrem Einfluss wieder entkommen kann.

Rezensionen zum Buch

Fake for Real: Der Band „Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen“ von Romy Jaster und David Lanius erklärt kurz und sehr anschaulich ein zentrales Problem unseres digitalen Zeitalters. (Rezension auf literaturkritik.de)

Schlechte Nachrichten gehen gut: Nützlich ist vor allem ihre Definition, wonach Fake News nur solche Berichte sind, die erstens ein unwahres Bild der Welt zeichnen und deren Verbreitern es zweitens an Wahrhaftigkeit mangelt: Sie wollen andere täuschen, oder ihnen ist der Wahrheitsgehalt der Berichte egal. Damit lassen sich Propaganda, Falschmeldungen oder journalistische Irrtümer leicht unterscheiden. (Rezension in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. März 2019, S. 10; siehe auch perlentaucher.de bzw. diekt auf bücher.de)

Buchtipp: Jaster, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, und Lanius, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DebateLab des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), diskutieren das Phänomen «Fake News» nüchtern und fundiert. (Rezension auf matthiaszehnder.ch)

Weitere lesenswerte Bücher zum Thema

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Was Online-Redakteure gegen Fake News und Hatespeech tun können

Gestern hat der Verein #ichbinhier einen offenen Brief an die Online-Redakteure reichweitenstarker Facebookseiten geschrieben und sie darin aufgefordert, sich stärker gegen Fake News, Desinformation, Hatespeech, Hetze, Lügen und Verdrehungen einzusetzen.

Der offene Brief gibt einige konstruktive Ratschläge, was Online-Redakteure besser machen könnten. Das wünscht sich der Verein ichbinhier von den Online-Redakteuren:

Gestern hat der Verein #ichbinhier einen offenen Brief an die Online-Redakteure reichweitenstarker Facebookseiten geschrieben und sie darin aufgefordert, sich stärker gegen Fake News, Desinformation, Hatespeech, Hetze, Lügen und Verdrehungen einzusetzen.

Der offene Brief gibt einige konstruktive Ratschläge, was Online-Redakteure besser machen könnten. Das wünscht sich der Verein ichbinhier von den Online-Redakteuren:

1. Weniger Triggerthemen!

Stellt Euch bei der Themenauswahl breiter auf und bedient nicht die Erregungsspirale, die von einer kleinen, lauten Minderheit stetig in Gang gehalten wird, indem Ihr weit überproportional über Zuwanderung, "Ausländerkriminalität" pp. schreibt.

2. Fakten statt Spekulation!

Berichtet, wenn Fakten da sind, ansonsten beruft Euch auf die Veröffentlichungen der Polizei. Wer über ein aktuelles Ereignis wenig Informationen hat, sollte zurückhaltend berichten und nicht wenige Teilinformationen zu einer großen Geschichte aufblasen. Wir alle müssen uns darum bemühen, Ungewissheit auszuhalten. Das gilt für die Journalisten wie für die Leser gleichermaßen.

3. Verzichtet auf Clickbaiting!

Seriöser Journalismus kommt ohne aus.Bitte kein Clickbaiting durch reißerische und teils irreführende Überschriften und das Provozieren heftiger Emotionen!

4. Geht verantwortungsbewusst mit Eurer Reichweite um!

Und so oder so: Wer die sozialen Medien für Reichweite nutzt, ist auch dafür verantwortlich, was unter den Beiträgen in der Kommentarspalte los ist. Die ersten Kommentare beeinflussen den Deutungsrahmen zu den Inhalten. Eine aufmerksame Moderation ist unerlässlich!

5. Macht Eure Kommentarspalten zum Wohlfühlort für Demokraten!

Eure Leser sollen sich auch in den Kommentarspalten wohlfühlen. Setzt daher Eure Netiquette durch! Macht die Kommentarspalten zu einem Ort, an dem Menschen sich austauschen können, ohne Angst haben zu müssen, beleidigt und angegangen zu werden. Wenn Ihr gut moderiert, schafft ihr Euch eine Community, die aus echten Menschen besteht und Euch langfristig unterstützt. Profile, die andere Nutzer persönlich angreifen, und solche, die sich menschenfeindlich äußern, gehören gesperrt.

6. Steht für journalistische Qualität ein!

Erklärt Eure Standards, immer und immer wieder. Nicht nur, weil wir für gute Debatten auch eine gute Faktenbasis brauchen, sondern damit wir und die Mitglieder Eurer Communities in der Fülle an Informationen die guten von den schlechten trennen können und diesen Maßstab woanders einfordern können

Der Verein #ichbinhier engagiert sich für ein friedliches Miteinander. In der Facebookgruppe des Vereins können wir uns alle für eine bessere Streitkultur im Internet einsetzen!

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Ist Donald Trump ein Lügner? Fake News, Lügen und Bullshit

Wenn das Thema auf Fake News kommt, dauert es nicht lange bis der Name des US-Präsidenten fällt. Donald Trump ist eine unerschöpfliche Quelle von Fake News. Wie kein Zweiter nutzt er die neuen Medien, um Falschheiten und Irreführungen in die Welt zu setzen. Denken wir nur an seine Tweets über steigende Mordraten, vergewaltigende Mexikaner, Chinas Erfindung des Klimawandels, die Besucherzahlen seiner Amtseinweihung oder massenhaften Wahlbetrug zugunsten seiner Rivalin Hillary Clinton. Trumps Behauptungen in den sozialen Medien umfassen inzwischen Tausende nachweisbarer Falschaussagen. Derart lax ist sein Umgang mit der Wahrheit, dass Journalisten in Washington verzweifeln. Einer äußerte sich dazu mit den inzwischen geflügelten Worten: „Das ist es, was es so schwierig macht, über Trump zu berichten: Was meint er, wenn er Worte sagt?”

Wenn das Thema auf Fake News kommt, dauert es nicht lange bis der Name des US-Präsidenten fällt. Donald Trump ist eine unerschöpfliche Quelle von Fake News. Wie kein Zweiter nutzt er die neuen Medien, um Falschheiten und Irreführungen in die Welt zu setzen. Denken wir nur an seine Tweets über steigende Mordraten, vergewaltigende Mexikaner, Chinas Erfindung des Klimawandels, die Besucherzahlen seiner Amtseinweihung oder massenhaften Wahlbetrug zugunsten seiner Rivalin Hillary Clinton. Trumps Behauptungen in den sozialen Medien umfassen inzwischen Tausende nachweisbarer Falschaussagen. Derart lax ist sein Umgang mit der Wahrheit, dass Journalisten in Washington verzweifeln. Einer äußerte sich dazu mit den inzwischen geflügelten Worten: „Das ist es, was es so schwierig macht, über Trump zu berichten: Was meint er, wenn er Worte sagt?”

"Was meint er, wenn er Worte sagt?"

Angesichts dieser Situation dürften sich viele Leserinnen und Leserder ZEIT am 4. September 2018 beim Blick in den Feuilleton die Augengerieben haben. Denn dort erklärte Thomas Assheuer unter der Überschrift„Warum Trump kein Lügner ist”:

„Trump hat nichts Lügenhaftes. Sein Körper und seine Sprache bilden eine natürliche Einheit; Intonation und Gestik wirken echt unverkrampft, nichts klingt bigott oder gekünstelt. Trump redet obszön, aber nicht verlogen. Seine Worte sprechen ihm aus dem Herzen.“

Trump wirkt auf viele Menschen aufrichtig.

Trump wirkt auf viele Menschen aufrichtig. Gelegentlich wird daherdie Frage in den Raum gestellt, ob es nicht sein kann, dass er denUnsinn, den er von sich gibt, womöglich selbst glaubt. Kann es sein,dass Trump derart irrational, narzisstisch und schlecht informiert ist,dass ihm gar nicht auffällt, dass seine Sicht der Dinge nicht immer mitder Wirklichkeit in Einklang steht? Assheuer stellt eine andere Theseauf:

„Trump benutzt die Sprache als situatives Investment auf dem politischen Markt. Findet er Zustimmung, dann ist seine Aktion rentabel und wirft Gewinn ab: mehr Ruhm, mehr Macht, bessere Quoten. (…) Wenn dagegen der öffentliche Druck so groß wird, dass er (…) einen Rückzieher machen muss, dann wurde seine Gewinnerwartung kurzfristig enttäuscht. Deshalb hat Trump, jedenfalls aus seiner Sicht, bislang nie gelogen; er hat sich bei seinen semantischen Transaktionen lediglich verkalkuliert.“

Trump sieht seine Behauptungen als Investments.

Assheuer zufolge sieht Trump Behauptungen als Investments, um seinepolitischen Ziele zu befördern. Aber ist Trump deshalb kein Lügner? Oderist er nur aus seiner eigenen Sicht kein Lügner? Was heißt es überhauptzu lügen? Und wenn wir ihn von der Lüge freisprechen, ist TrumpsVerhalten dann unverwerflich?

Was Lügen genau sind, ist in der Philosophie umstritten. Das mag überraschen, schließlich fallen uns schnell klare Fälle ein, in denen Personen lügen. Wenn Anatol etwas Falsches sagt, um Beate zu täuschen, dann hat er gelogen. Und so verstehen viele Menschen Lügen schlichtweg als falsche Aussagen, mit denen eine andere Person getäuscht werden soll.

Wann lügt jemand?

Bei näherem Hinsehen werden die Dinge jedoch komplizierter. Was ist,wenn Anatol zwar Beate täuschen will, aber selbst einem Irrtumunterliegt? Nehmen wir an, er glaubt, Bukarest sei die Hauptstadt vonPolen, behauptet aber, um Beate hinters Licht zu führen, Bukarest seidie Hauptstadt von Rumänien. In diesem Fall hätte Anatol – ohne esselbst zu wissen – etwas Wahres gesagt. Hat er gelogen? Hier gehen dieIntuitionen auseinander. Wenn ja, können Lügen auch wahr sein.Entscheidend wäre dann, dass jemand etwas behauptet, das er selbst fürfalsch hält – unabhängig davon, ob es wahr oder falsch ist.

Was aber in jedem Fall zur Lüge gehört, ist die Absicht, das Gegenüber zu täuschen. Jemand, der eine Fehlinformation verbreitet, die er selbst für wahr hält, ist kein Lügner, sondern einfach ein Mensch, der sich geirrt hat. Eine notwendige Bedingung fürs Lügen ist es, andere hinters Licht führen zu wollen. Der Lügner will erreichen, dass Andere zu falschen Überzeugungen kommen. Dafür greift er auf Behauptungen zurück, die er für falsch hält.

Der Lügner will erreichen, dass Andere zu falschen Überzeugungen kommen.

Auf Trump trifft das in vielen Fällen klarerweise zu. Wenn erbeispielsweise behauptet, nichts über die Zahlungen an diePornodarstellerin Stormy Daniels durch seinen Anwalt Michael Cohengewusst zu haben, dann ist das einerseits falsch. Man muss andererseitsaber auch davon ausgehen, dass Trump mit seiner Behauptung eineTäuschungsabsicht verfolgte. Ziel der falschen Aussage war es, das FBIund die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen. In diesem Fall haben wires mit einer glatten Lüge zu tun.

Doch nicht immer, wenn Trump Fake News in die Welt setzt, ist eineTäuschungsabsicht im Spiel. Häufig macht er so offenkundig falscheBehauptungen, dass die Annahme, er wolle irgendjemanden wirklich damittäuschen, geradezu absurd erscheint. Denken wir an die Diskussion überdie Zuschauerzahl bei seiner Amtseinweihung oder die Behauptung, dieSonne habe die ganze Zeit hindurch geschienen. Die Fotos derZuschauermenge waren bekannt und leicht mit den Fotos derAmtseinführungen seiner Vorgänger zu vergleichen. Die regnerischeFeierlichkeit war weltweit übertragen worden. Dass Trump in diesenFällen davon ausgegangen sein könnte, er könne die Öffentlichkeit durchseine falschen Behauptungen hinters Licht führen, ist wenig plausibel.

Wenn Trump in diesen Fällen nicht lügt, was tut er dann? In zwei Worten: Trump bullshittet. Eine philosophisch solide Definition von Bullshit verdanken wir Harry Frankfurt (Frankfurt 2005). Absichtliche Täuschungen, so Frankfurt, erfordern eine Orientierung an der Wahrheit; schließlich will man ja bewusst etwas behaupten, das von der Wahrheit abweicht. Bullshit hingegen erfordert nichts dergleichen. Der Bullshitter interessiert sich nicht dafür, ob er die Realität korrekt wiedergibt oder nicht. Er stellt Behauptungen auf, um seine Ziele zu erreichen, egal, ob diese Behauptungen wahr oder falsch sind.

Trump ist ein Meister des Bullshits.

Menschen bullshitten aus den unterschiedlichsten Gründen. Um Anderezu beeindrucken, um eine Festgesellschaft zu unterhalten, um eineGesprächspause zu vermeiden. Aber auch auf der politischen Bühne istBullshit ein gängiges Phänomen – insbesondere in der Ära Trump. InFrankfurts Augen ist Donald Trump ein Paradebeispiel für einenBullshitter. Trumps Behauptung, er habe das beste Gedächtnis der Weltbezeichnet Frankfurt als geradezu “possenhaft unverstellten Bullshit”(Frankfurt 2016).

Im Bereich von Fake News ist Bullshit viel gängiger, als man zunächst annehmen würde. Die Rechnung ist einfach: Provokative, reißerische und emotional aufgeladene Meldungen bringen mehr Aufmerksamkeit. Mehr Aufmerksamkeit bringt mehr Klicks. Mehr Klicks bringen mehr Werbeeinnahmen. Also bringen viele provokative, reißerische und emotional aufgeladene Meldungen viele Einnahmen. Ob sie wahr oder falsch sind, spielt in dieser Kalkulation keine Rolle.

Fake News und Clickbaiting

Nach diesem Geschäftsmodell ist im Vorlauf des letzten US-Wahlkampfes in Mazedonien und anderen osteuropäischen Ländern eine regelrechte Fake-News-Industrie entstanden. Die Erzeugnisse dieser Industrie sind in aller Regel Bullshit. Aus Interviews mit Fake-News-Produzenten aus Mazedonien und Georgien beispielsweise wissen wir, dass ihr primäres Ziel nicht war, Menschen zu täuschen. Ganz im Gegenteil: Die Wahrheit oder Falschheit ihrer Meldungen war ihnen vollkommen egal. Ihnen ging es einzig und allein darum, einen größtmöglichen Gewinn einzufahren. Dimitri, ein besonders erfolgreicher Produzent von Fake News, äußerte sich dazu recht freimütig (Smith & Banic 2016): „Du siehst, was die Leute mögen und gibst es ihnen. Du siehst, dass sie Wasser mögen, und gibst ihnen Wasser; mögen sie Wein, gibst du ihnen Wein. Es ist wirklich sehr einfach.”

Warum bullshittet Trump? Nun, eine Erklärung liefert Assheuer. Trumpstellt Behauptungen auf, von denen er sich einen politischen Gewinnverspricht. Was für Trump zählt, ist ausschließlich der politischeMarktwert – nicht der Wahrheitswert – des Gesagten.

Bullshit und Propaganda

Ein weiterer Punkt scheint aber ebenso zentral. Sich nicht an der Wahrheit zu orientieren, ist das ultimative Signal von Unangreifbarkeit. Menschen wie Trump zeigen, dass sie sagen können, was sie wollen, ohne durch irgendwen oder irgendetwas eingeschränkt zu sein – nicht einmal durch die Realität selbst. Wenn Jason Stanley Recht hat, haben wir es in solchen Fällen mit Paradebeispielen von Propaganda zu tun. Denn Stanley zufolge ist Propaganda im Kern überhaupt kein Täuschungsversuch, sondern bereits der Versuch zu herrschen (Stanley 2016).

Ist Trump nun also ein Lügner oder nicht? Nun, manchmal lügt Trump sicherlich. Aber nicht immer. Viele Fake News, die er in die Welt setzt, sind keine Täuschungsversuche, sondern purer Bullshit.

Das "post-faktische" Zeitalter?

Besser wird die Sache dadurch nicht. Insbesondere, wenn Bullshit zumPrinzip erhoben wird, sollten die Alarmglocken läuten. Wird Bullshit zurNorm, gerät der Maßstab der Wahrheit selbst in Verruf. Auf genau dieses Ziel arbeiten Rechtspopulisten weltweit zunehmend unverhohlen hin. Sie betrachten Worte als Waffen im Kampf um die Macht.Wichtig ist allein die politische Botschaft und Mobilisierung derAnhänger. Doch wenn Fake News, Lügen und Bullshit systematisch dasVertrauen in Politik, Medien und Wissenschaft untergraben, droht uns amEnde möglicherweise doch noch das allseits heraufbeschworene “post-faktische” Zeitalter. Wir sollten alles daran setzen zu verhindern, dass es soweit kommt.

Referenzen

Harry G. Frankfurt: “Donald Trump is BS says expert in BS”, Time2016. URL: http://time.com/4321036/donald-trump-bs/ (letzter Zugriff:30.10.2018)

Harry G. Frankfurt: On Bullshit. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2005 [1986].

Alexander Smith & Vladimir Banic: “Fake News: How a PartyingMacedonian Teen Earns Thousands Publishing Lies”, NBC News 2016. URL:https://www.nbcnews.com/news/world/fake-news-how-partying-macedonian-teen-earns-thousands-publishing-lies-n692451(Letzter Zugriff: 30.10.2018)

Jason Stanley: How Propaganda Works. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2016.

Ist Donald Trump ein Lügner? Fake News, Lügen und Bullshit

Dieser Beitrag erschien ebenfalls auf dem Blog von praefaktisch.de.

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Was sind Fake News?

An Fake News kommt man in jüngerer Zeit im öffentlichen Diskurs schwer vorbei. Diskussionsrunden in ganz Europa erörtern die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann; Forschungsprojekte versuchen, die Effekte von Fake News auf Politik und Gesellschaft zu bestimmen; Unternehmen wie Facebook sehen sich unter Druck, gegen Fake News vorzugehen.Aber was sind überhaupt Fake News? Unsere These ist, dass es sich bei Fake News um Berichterstattungen handelt, die in zweierlei Hinsicht problematisch sind. Erstens sind sie entweder falsch oder irreführend. Und zweitens verfolgen ihre Verfasser entweder eine Täuschungsabsicht oder sie sind der Wahrheit gegenüber vollkommen gleichgültig. Fake News weisen also zwei entscheidende Mängel auf: sie zeichnen ein falsches Bild von der Wirklichkeit und werden von Menschen in die Welt gesetzt oder verbreitet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

An Fake News kommt man in jüngerer Zeit im öffentlichen Diskurs schwer vorbei. Diskussionsrunden in ganz Europa erörtern die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann; Forschungsprojekte versuchen, die Effekte von Fake News auf Politik und Gesellschaft zu bestimmen; Unternehmen wie Facebook sehen sich unter Druck, gegen Fake News vorzugehen.Aber was sind überhaupt Fake News? Unsere These ist, dass es sich bei Fake News um Berichterstattungen handelt, die in zweierlei Hinsicht problematisch sind. Erstens sind sie entweder falsch oder irreführend. Und zweitens verfolgen ihre Verfasser entweder eine Täuschungsabsicht oder sie sind der Wahrheit gegenüber vollkommen gleichgültig. Fake News weisen also zwei entscheidende Mängel auf: sie zeichnen ein falsches Bild von der Wirklichkeit und werden von Menschen in die Welt gesetzt oder verbreitet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Das falsche Bild der Wirklichkeit

Definition von Fake News im DudenHäufig werden Fake News als eine bestimmte Art der Falschmeldung verstanden. Im Duden etwa ist zu lesen, Fake News seien in den Medien und im Internet, besonders in den Social Media, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen.Doch so eng die Verbindung zwischen Fake News und falscher Berichterstattung auch erscheint, nicht immer sind Fake News tatsächlich falsch. Häufig sind sie einfach irreführend: Eine wahre Information wird so ausgedrückt, dass über die reine – oft im wörtlichen Sinne wahre – Information hinaus falsche Informationen kommuniziert werden.Fake News haben häufig diese Form. Ein gutes Beispiel ist eine Meldung des US-amerikanischen Online-Portals Breitbart aus dem Januar 2017. Nachdem es in der Silvesternacht auf einem Platz in Dortmund zu einem Tumult unter, wie die Ruhr-Nachrichten schreiben, überwiegend jungen Männern gekommen war, meldete Breitbart, der “Mob” habe “Deutschlands älteste Kirche in Brand gesetzt”.Fake News auf breitbart.comWahr ist, dass es einen Brand gegeben hatte. Eine Rakete war in ein Fangnetz eines Baugerüstes geflogen, das an der Kirche angebracht war, und hatte es in Brand gesetzt. Wie die Feuerwehr meldete, sei der Brand klein und leicht zu löschen gewesen.In Anbetracht dieser Geschehnisse ist es demnach nicht falsch, dass die Gruppe die Kirche in Brand gesetzt hat. Dennoch, und das ist in unserem Zusammenhang der entscheidende Punkt,  ist die Meldung hochgradig irreführend, denn es wird durch die Wortwahl allerlei Falsches kommuniziert. Es wird zum Beispiel kommuniziert, dass das Feuer mutwillig gelegt wurde, dass die Kirche selbst, und nicht nur ein Fangnetz, betroffen war und dass der Brand ein nennenswertes Ausmaß hatte. All das ist, wie wir wissen, falsch. Die Meldung zeichnet demnach ein falsches Bild von der Wirklichkeit, ohne eine tatsächlich falsche Behauptung aufzustellen.Es wäre daher verkürzt, Fake News als Falschmeldungen zu charakterisieren. Auch wahre, aber irreführende Meldungen können Fake News sein. Was alle Fälle von Fake News verbindet, ist, dass ein falsches Bild der Wirklichkeit gezeichnet wird.

Es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen

Ebenfalls eine Verkürzung – und eine gefährliche noch dazu – wäre es allerdings, Fake News schlichtweg als falsche oder irreführende Berichterstattung zu charakterisieren. Hier ist der Duden auf der richtigen Fährte, wenn er die Täuschungsabsicht ins Spiel bringt, die Verfasser von Fake News häufig verfolgen.Fiele die Täuschungsabsicht in der Definition einfach weg, wäre es nicht mehr möglich, Fake News von versehentlichen journalistischen Fehlern abzugrenzen. Diesen Unterschied zu markieren, ist aber von zentraler Bedeutung. Denn selbst im Falle fehlerhafter Berichte gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen der Berichterstattung seriöser Medien und Fake News. Der Unterschied besteht darin, dass seriöse Medien falsche oder irreführende Berichte nur versehentlich publizieren.Fake News von Donald TrumpDie Verfasser von Fake News hingegen nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Häufig ist ihr Ziel in der Tat, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen und zu täuschen. Wenn Donald Trump behauptet, die Kriminalität in Deutschland sei in den letzten Jahren um 10% gestiegen, dann ist das nicht nur falsch, man muss auch davon ausgehen, dass Trump mit seiner Behauptung eine Täuschungsabsicht verfolgt. Häufig sind Fake News also schlichtweg Lügen.Bericht von Buzzfeed zu Fake News von mazedonischen TeenagernAllerdings besteht, und hier stößt die Definition des Dudens an ihre Grenzen, nicht immer eine Täuschungsabsicht. Manchmal stehen die Verfasser von Fake News der Wahrheit oder Falschheit ihrer Behauptungen auch schlichtweg gleichgültig gegenüber. Der Philosoph Harry Frankfurt spricht in solchen Fällen von “Bullshit”. Absichtliche Täuschungen, so Frankfurt, erfordern eine Orientierung an der Wahrheit; schließlich will man ja bewusst etwas behaupten, das von der Wahrheit abweicht. Bullshit hingegen erfordere nichts dergleichen. Der Bullshitter interessiert sich nicht dafür, ob er die Realität korrekt wiedergibt oder nicht. Er stellt Behauptungen auf, um seine Ziele zu erreichen, egal, ob diese Behauptungen wahr oder falsch sind.Fake News auf therightists.comIm Bereich von Fake News spielt Bullshit eine zentrale Rolle. Die wahrscheinlich prominentesten Bullshitter im Fake News-Geschäft sind die in den Medien breit verhandelten mazedonischen Teenager, die 2016 mit der Herstellung falscher und irreführender Meldungen Zehntausende Dollar verdienten. Aus Interviews mit diesen Teenagern wissen wir, dass ihr primäres Ziel nicht war, Menschen zu täuschen. Ganz im Gegenteil: Die Wahrheit oder Falschheit ihrer Meldungen war ihnen vollkommen egal. Ihnen ging es einzig und allein darum, größtmögliche Klickzahlen zu generieren – ein klarer Fall von Bullshit.

Eine Definition von Fake News

Was also sind Fake News? Die Definition, die wir eingangs vorgestellt haben, lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Fake News sind Berichterstattungen, die entweder falsch oder irreführend sind, und von Menschen verbreitet werden, die entweder eine Täuschungsabsicht verfolgen oder der Wahrheit gegenüber gleichgültig sind.

Dieser Beitrag ist auch auf dem Blog von philosophie.ch erschienen. Mehr Hintergund zum Begriff der Fake News und ihrer Verbreitung in den sozialen Medien durch politische und kommerzielle Akteure gibt es in unserem neuen Buch "Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen" bei Reclam.

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